Kritik/REGIE

Blumen des Bösen – IN BLOOM / DIE LANGEN HELLEN TAGE von Nana Ekvtimishvili und Simon Groß

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© Indiz Film

Ihren versteinerten, enthaltsamen Gesichtszügen ist kein Gefühl zu entnehmen. Dann der Gang durch marode Häusergassen und dunkle Unterführungen, hinein in die enge, doch karg eingerichtete Wohnung. Eine Außenwelt der Innenwelt. Eka (Lika Babluiani) und Natia (Miriam Bokeria) wachsen 1992 in Tiflis auf. Die Sowjetunion ist zerfallen, in Georgien herrscht Bürgerkrieg. Sie werden groß in einem Land, das so sehr im Umbruch ist wie ihr Leben als Jugendliche selbst. So ist das Glas stets weniger als halb leer, obwohl es am Wasser nicht mangelt.

Von Ann-Christin Eikenbusch

Während sich der politische Konflikt vor allem in den Erinnerungsfetzen und Radiomeldungen präsent zeigt, sind es vielmehr die Aggressoren aus dem eigenen Umfeld, die nun eingezogen sind in das Leben der Mädchen: Abwesende Väter, ob betrunken oder im Gefängnis, kleinlaute Halbstarke, desillusionierte Großmütter, despotische Lehrerinnen oder aufdringliche Verehrer. Dann wird auch eine Waffe zum Liebesbeweis. Den anderen nicht verlieren zu wollen, das wiegt hier doppelt so schwer.

Copyright: Indiz Film

© Indiz Film

Der Blick ist nervös, das Bild kalt und blutleer. Hier ist das schwarz noch schwärzer, das weiß noch weißer. Kontraste bestimmen alle Facetten des Films, der von Moderne und Tradition erzählt, von Aufbruch und Neuanfang und vom zu schnellen Erwachsenwerden in einem Land, das sich unter den Wehen eines blutigen Kampfes doch gerade selbst neu erschaffen muss. Konsequent folgt die Kamera diesem Geschehen, begleitet Eka und Natia in der Starre dieser unendlich langen, manchmal so blendend hellen Tage. Und erst wenn die Mädchen Mädchen sein dürfen, wenn sie von ihren Schwärmereien singen und von all ihren Träumen, aber auch davon, wie hoffnungslos das Leben ist und wie nah sein Ende – dann kommt die Kamera zur Ruhe, dann entkrampft sich ihr Blick. Doch die Stille ist trügerisch.

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© Indiz Film

Es ist das gleichnishafte Porträt eines zerrissenen Landes und eine einfühlsame Elegie auf das Ende kindlicher Unschuld zugleich, die zeigt, dass jede Handlung, jede Regung des Gefühls fatale Folgen haben kann – und darüber entscheidet, ob aus der Knospe doch eher eine „Blume des Bösen“ heranzuwachsen droht.

Seit Donnerstag im Kino!

DE/FR/GE 2012/13, 102 Minuten, R: Nana Ekvtimishvili, Simon Groß, D: Nana Ekvtimishvili, K: Oleg Mutu

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